homo digitalis

Homo digitalis

Einsen und Nullen Beziehungen regieren,

die sozialen Medien den Idealmensch generieren.

An den Monitor gefesselt, die Haltung gebückt,

sich Individuum definiert durch die Menge der Klicks

Homo digitalis, Spitze der Evolution,

computergesteuert bis zur letzten Funktion.

Der Sinn virtuell, gerendert das Glück,

der Zenit ist überschritten, jetzt geht es zurück.

Einsen und Nullen das Leben strukturieren,

Technokraten beteuern, es kann nichts passieren:

Modern sind die Systeme, effizient und bequem.

Nur ein nächster GAU wäre unangenehm.

Homo digitalis, Spitze der Evolution,

computergesteuert bis zur letzten Funktion.

Der Sinn virtuell, gerendert das Glück,

der Zenit ist überschritten, jetzt geht es zurück.

Einsen und Nullen eine Zukunft diktieren,

Menschen den Verstand ungenutzt verlieren.

Das Denken und das Tun können ausgeschaltet werden

mit Login und Passwort von Geburt bis zum Sterbens

Homo digitalis, Spitze der Evolution,

computergesteuert bis zur letzten Funktion.

Der Sinn virtuell, gerendert das Glück,

der Zenit ist überschritten, jetzt geht es zurück.

Digitalisierung – Segen und Fluch: die Menschheit verfängt sich immer stärker im digitalen Netz. Arbeitswelt, Umwelt und soziale Welt werden Rechnersystemen unterworfen. Mögen der Fortschritt in den Rechnerleistungen und bei den Kapazitäten auch zu ungeahnten Möglichkeiten zu, ohne diese nicht möglichen Erkenntnisgewinnen und zu mannigfachen Verbesserung der Lebenswelten geführt haben, so werden die Kehrseiten der Digitalisierung in der Wahrnehmung und Diskussion ausgeblendet. Das Universum aus Einsen und Nullen ist zu bequem und selbstverständlich geworden. Analoge Bestimmung gehört den Gestrigen.

Ausgeblendet: Umweltfolgen

Unsere ständigen Begleiter, die Smartphones verbrauchen die meiste Energie und Ressourcen bei ihrer Produktion. Die notwendigen Edelmetalle und seltene Erden, die im Smartphone stecken, sind Rohstoffe, die oft unter umwelt- und klimaschädigenden Umständen gewonnen werden. Auch das Recycling funktioniert kaum, womit die begrenzten Rohstoffe vergeudet werden.

Gerade die Multifunktionalität der Smart-Phones führt zu immensem Energieverbrauch: Fotografie, Internetnutzung, Streaming,… Die Geräte sollen immer schneller werden und fressen damit immer mehr Energie.

Das Internet insgesamt mit Herstellung der Geräte, Verbrauch in den Rechenzentren, Computern und Netzwerken hat einen Anteil von fast 4% des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes und damit den Flugverkehr überholt.

Das digital gesteuerte Zuhause wird nach Schätzungen in Zukunft mehr Energie benötigen, als ein Atomkraftwerk produzieren kann. (Quelle: https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/umweltauswirkungen-der-digitalisierung-100.html)

Zu wenig erforscht sind die Umweltfolgen und gesundheitlichen Risiken der Funknetze: Mutmaßungen gehen von krebserregenden Folgen aus. Kaum erforscht sind die Folgen für die Tierwelt, insbesondere der Insekten.

Ignoriert: soziale und individuelle Folgen

Die großen digitalen Netzwerke sind zum individuellen Wertmaßstab geworden. Es wird nicht mehr erlebt, um zu erleben. Es wird gepostet, wo man ist, was man tut, um on the Top zu wirken – gemessen an Klicks und Likes. Selbstdarstellung ist zum individuell wichtigsten Produktions- und Konsumgut geworden. Mobbing und Shitstorm sind Tür und Tor geöffnet, sind zum gesellschaftlich psycho-gesundheitlichen Problem geworden.

Verbale Kommunikation, Miteinander im Moment ist zur Nebensache geworden. Das Smart-Phone ist omnipräsent in jeder Situation und Konstellation. Die Bedeutung von Hier und Jetzt wird der Wirkung auf das für Woanders unterworfen.

Die großen digitalen Netzwerke sind zum Meinungsbildner geworden. Visuelles Blitzlicht und plakative Überschrift formen und bestätigen Überzeugungen. In die Tiefe zu gehen, zu hinterfragen bedeutet Mühen, die gescheut werden.

Das Denken wird abgeben: Lesen, Schreiben, Rechnen sind zu Grundfähigkeiten der Vergangenheit geworden. Programme erledigen dies zuverlässig und bequem.

Nervig: Zwänge

Alle Lebensbereiche setzen inzwischen digitale Bereitschaft und Teilnahme voraus: Logins, Passwörter und Konten zu vergeben und parat zu haben, ist zur unumgänglichen Existenzfunktion geworden. Die digitale Verwaltung des Lebens ist tägliche Herausforderung und dauerhaftes Ärgernis in der Diskrepanz zwischen mangelnder Funktionalität und Zwang.